Arbeitskreis Gegenargumente
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Der AK Gegenargumente findet einmal pro Monat an einem Donnerstag statt

Nächste Diskussionsveranstaltung: Donnerstag, 22.02.2018, 19:30 Uhr (pünktlich!)

G20-Gipfel in Hamburg – außer Randale nichts gewesen?

Der Hamburger G20-Gipfel ist über ein halbes Jahr her. Aber noch immer wird er regelmäßig öffentlich nachbereitet.
Glaubt man dem Tenor dieser Nachbereitung, dann bestand der Gipfel darin, dass freche Linke ihn störten, brave Bürger in Angst & Schrecken versetzten, rechtschaffene Mülltonnen und unschuldige Autos anzündeten, also auf ganzer Linie „Staatsversagen“ vorlag. Weshalb jetzt immer noch interessant sein soll, ob die Chaoten ordentlich verfolgt, geschnappt und verurteilt werden; ob nicht das ganze Chaos hätte verhindert werden müssen usw.

Das ist erstens eine peinlich lächerliche Themenverfehlung. Als ob sich in Hamburg nicht Figuren getroffen hätten

- die die legitimen Chefs der zwanzig mächtigsten und reichsten Nationen der Erde sind;
- die, wie stets, keinerlei Hehl daraus machten, welche ganz anders dimensionierten Formen von Angst & Schrecken – von Hungerkatastrophen über Wirtschaftskrisen bis hin zu Kriegen – in dieser von ihnen beherrschten Welt üblich sind;
- die die Zuständigkeit dafür beanspruchen, also jedem anderen absprechen, wie damit umzugehen sei und was daraus zu folgen habe, dass die Welt so grauenhaft aussieht, wie sie sie beschreiben;
- die zugleich ohne Scheu herausstreichen, dass die „Verantwortung“, die sie für nicht weniger als die ganze „Menschheit“ reklamieren, für sie mit der beinharten Konkurrenz zusammenfällt, die sie gegeneinander führen;
- die frech verlangen, dass man ihnen das alles auch noch als Bemühen um die „Lösung von Menschheitsproblemen“ zugute hält.

Angesichts des ungeschminkten Zuständigkeitsanspruchs, den sie auf solchen Gipfeln mit- und gegeneinander und zugleich über alle anderen zelebrieren, ist die öffentliche Konzentration auf die gewalttätigen Demonstrationen am Rande zweitens nicht weniger als ein so umfassendes wie argumentloses Durchwinken des nicht nur und noch nicht einmal vorrangig auf Gipfeln praktizierten Anspruchs dieser Staatenelite.
Darum wollen wir Klarheit darüber stiften, was Gipfel dieser Art sollen, wie sie zur alltäglichen wirtschaftlichen und strategischen Staatenkonkurrenz passen und wie dazu die demokratische Tour gehört, kritische Bürger zum friedlichen Demonstrieren zu ermuntern und den als unfriedlich isolierten Rest umso härter von der Polizei abräumen zu lassen.
Das klärt dann sicherlich auch, wie man solche Veranstaltungen besser nicht kritisiert.


Im EineWeltHaus München, Schwanthalerstr. 80 RGB, U-Bahn Haltestelle Theresienwiese (U4/U5), Raum: Werkstatt (links neben Weltladen)
Anfahrt siehe auch hier.

 


Lesetipps:

GEGENSTANDPUNKT 4-17

Alexander Melcok
Kritik der Betriebswirtschaftslehre
Planungsregeln für erfolgreiches Wirtschaften in der kapitalistischen Konkurrenz

Wie begründet eine Wissenschaft ihre Erkenntnisse,

- die mit „Planungs- und Entscheidungshilfen“ zur Beförderung des betrieblichen Erfolgs aufwartet, von dem sie weiß, dass er in „Gewinnmaximierung“ und sonst nichts besteht;
- die ansonsten Planung im Zusammenhang mit Wirtschaft für die Hölle und den „marktwirtschaftlichen Wettbewerb“ für einen Segen hält und die in diesem ‚Wettbewerb‘ stehenden Betriebe damit vertraut macht, dass sie sich zur Durchsetzung in demselben um die „Ergiebigkeit“ des „Produktionsfaktors ‚Arbeit‘“ kümmern müssen;
- und die dabei einfach davon ausgeht, dass es in der Macht der Eigentümer und Manager so eines Betriebs liegt, frei über die Arbeit und alle anderen Produktionsfaktoren zu disponieren, und keinen Gedanken daran verschwendet, was das für Produktionsverhältnisse sind, die ihnen diese Macht verleihen?

Dieser Frage geht die vorliegende Schrift nach: Wie wird gedacht in einer akademischen Disziplin, die kapitalistische Ausbeutung als Lehrberuf im Angebot hat?


Sabine Predehl / Rolf Röhrig
Gesundheit – ein Gut und sein Preis

Die vorliegende Schrift

– erklärt, warum man so viel für seine Gesundheit tun muss, nämlich wodurch sie dauernd gefährdet und geschädigt wird.
– bestimmt den Fehler, den sich die medizinische Wissenschaft in der theoretischen Behandlung der gar nicht unbekannten gesellschaftlichen Krankheitsursachen leistet; sie benennt die affirmative Stellung zum System der Konkurrenz, die diesem Fehler zugrunde liegt, und zeigt die Konsequenz, mit der dieser Fehler in eine moralische Begutachtung der populärsten Krankheiten und ihrer Ursachen einmündet. Sie befasst sich außerdem speziell mit der Logik der wissenschaftlichen Pathologie des Seelenlebens sowie mit dem paradoxen Erklärungsmuster der Alternativ- oder „Komplementärmedizin“.
– befasst sich mit der medizinischen Praxis und dem vertrackten Verhältnis zwischen privatem Bedürfnis nach medizinischer Hilfe und allgemeinem Interesse an funktionstüchtigen Bürgern, also mit dem herrschenden Zweck, dem das von Staats wegen institutionalisierte Gesundheitswesen dient.
– würdigt das Geschäft mit der Gesundheit und das ebenso absurde wie erfolgreiche Bemühen des modernen Gemeinwesens, die Gesundheitsversorgung eines ganzen Volkes als Geschäftsfeld zu organisieren, dessen Finanzierung die Versorgten überfordert, also Nachhilfe durch staatliche Gewalt benötigt.

Peter Decker / Konrad Hecker / Joseph Patrick
Das Finanzkapital

Das Buch ist eine Neufassung der Artikel über das Finanzkapital, die in der Politischen Vierteljahreszeitschrift GegenStandpunkt in den Jahren 2008 bis 2011 erschienen sind.

Erhältlich im Buchhandel und direkt beim Gegenstandpunkt-Verlag


Zuletzt geändert: Friday, 16-Feb-2018 17:40:46 CET
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