Arbeitskreis Gegenargumente
Termine


Der AK Gegenargumente findet einmal pro Monat an einem Donnerstag statt.

Nächste Diskussionsveranstaltung: Donnerstag, 17.01.2019, 19:30 Uhr

Wenn Staat und Kapital für ‚Flexibilisierung‘ werben

– dann sind sie es sich regelmäßig schuldig, den von ihnen flexibel gemachten Arbeitnehmern zu erläutern, dass und inwiefern ihre Initiativen auch und gerade für die Bedürfnisse moderner Arbeitnehmer eine gute Nachricht sein sollen. So zuletzt geschehen im benachbarten Österreich, dessen Regierung 2018 unter dem Protest der Gewerkschaften der jahrelangen Forderung der Arbeitgeber nachkommt, dem

12-Stunden-Tag

den Weg zu bereiten. Ihnen ist künftig gestattet, ihre Belegschaften bis zu 12 Stunden durcharbeiten zu lassen, ohne dass es dafür noch einer Vereinbarung mit dem Betriebsrat bedarf. Der Arbeitnehmer bekommt dazu eine ‚Freiwilligkeitsgarantie‘ geschenkt, wonach er die 11. und 12. Stunde „ohne Angabe von Gründen“ ablehnen und „deswegen nicht benachteiligt werden“ darf.
Damit sich keiner in der Alpenrepublik darüber täuscht, wie notwendig und vernünftig das neue Arbeitszeitgesetz ist, betreibt die Unternehmervertretung eine großflächige Aufklärungskampagne in Lyrik und Prosa und wirbt für dessen allseitige Vorteile. In der Empörung, die sie von den Betroffenen erntet, gehen ihre Auskünfte über ein paar hässliche Wahrheiten bezüglich der ersten 8, 9 oder 10 Stunden des Arbeitstages und der verbleibenden Freizeit, mit denen sie ihr Publikum agitiert, leider ziemlich unter. Sie und auch ihre gewerkschaftlichen Widersacher geben auf ihre Weise

Auskunft über die Widersprüche der Erwerbsquelle Lohnarbeit

die – auch in gschpasiger Mundart vorgetragen – alles andere als eine österreichische Spezialität sind, sondern zur kapitalistischen ‚Arbeitswelt‘ und ihren anerkannten Fortschritten gehören:
„10 Stunden waren schon immer möglich, jetzt sind dann 12 erlaubt. Worauf dir vor täglich überlanger Arbeit graut. Doch die 12 sind nur für Spitzen, meist bleibst bei 40 Stunden und bezahlt wird’s – Hand drauf – eh’ als Überstunden! ... Zählst du’s zamm, unterm Strich kriegst du auch mehr heraus oder gehst dann, wenn’s mal passt, auch viel früher z’haus“
„Hast Familie und Beruf, fragst dich, wie das gehn soll, ist dein Tag schon ohne Kids mit allerhand Aufgaben voll, mit flexiblen Arbeitszeiten kannst du’s besser einteilen und brauchst dich wie bisher üblich nicht mehr täglich zweiteilen.“
„Geht’s dem einen gut, dann geht’s uns allen gut, das will ja jeder, das ist doch klar. Schauen wir aufeinander und nach vorn mit Mut, dann rennt’s für Österreich ganz wunderbar.“
(alle Zitate: Wirtschaftskammer Österreich)

Darüber wollen wir auf unserer Veranstaltung diskutieren.

Material zur Veranstaltung:

Zitate

Ein 12-Stunden-Tag für Österreich
Von der Schwierigkeit der Lohnarbeiter, mit Zeit und Geld umzugehen (Artikel aus dem GegenStandpunkt 4-18)

Im EineWeltHaus München, Schwanthalerstr. 80 RGB, U-Bahn Haltestelle Theresienwiese (U4/U5), Raum: 211/212 (2. Stock)
Anfahrt siehe auch hier.


Lesetipps:

GEGENSTANDPUNKT 4-18

Konrad Hecker
Der Faschismus und seine demokratische Bewältigung

- Der Begriff des Faschismus
- Hitler – ein deutscher Politiker
- Demokratische Faschismustheorie – oder: ‚Wie konnte es dazu kommen?‘
- Demokratische Vergangenheitsbewältigung
- Die verkehrte Faschismus-Theorie der Kommunistischen Internationale

Alexander Melčok
Kritik der Betriebswirtschaftslehre
Planungsregeln für erfolgreiches Wirtschaften in der kapitalistischen Konkurrenz

Wie begründet eine Wissenschaft ihre Erkenntnisse,

- die mit „Planungs- und Entscheidungshilfen“ zur Beförderung des betrieblichen Erfolgs aufwartet, von dem sie weiß, dass er in „Gewinnmaximierung“ und sonst nichts besteht;
- die ansonsten Planung im Zusammenhang mit Wirtschaft für die Hölle und den „marktwirtschaftlichen Wettbewerb“ für einen Segen hält und die in diesem ‚Wettbewerb‘ stehenden Betriebe damit vertraut macht, dass sie sich zur Durchsetzung in demselben um die „Ergiebigkeit“ des „Produktionsfaktors ‚Arbeit‘“ kümmern müssen;
- und die dabei einfach davon ausgeht, dass es in der Macht der Eigentümer und Manager so eines Betriebs liegt, frei über die Arbeit und alle anderen Produktionsfaktoren zu disponieren, und keinen Gedanken daran verschwendet, was das für Produktionsverhältnisse sind, die ihnen diese Macht verleihen?

Dieser Frage geht die vorliegende Schrift nach: Wie wird gedacht in einer akademischen Disziplin, die kapitalistische Ausbeutung als Lehrberuf im Angebot hat?


Sabine Predehl / Rolf Röhrig
Gesundheit – ein Gut und sein Preis

Peter Decker / Konrad Hecker / Joseph Patrick
Das Finanzkapital

Erhältlich im Buchhandel und direkt beim Gegenstandpunkt-Verlag


Zuletzt geändert: Saturday, 05-Jan-2019 20:21:20 CET
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